Investitionsmöglichkeiten beim Crowdlending

 

Die Kreditvergabe ist ein solcher Markt, der zuvor das Kerngeschäft von Banken darstellte. Doch da die Geldinstitute diesen Bereich seit Einführung der Niedrigzinsen zunehmend vernachlässigen, hat die Crowd in diesem Segment eine Nische erschlossen – mit dem sogenannten Crowdlending. Beim Crowdlending vergeben Privatpersonen Kredite an andere Privatpersonen oder an Unternehmen über Kreditplattformen.

Bei der Kreditvergabe an Privatpersonen spricht man vom Peer-to-Peer-Lending, bei der Kreditvergabe an Unternehmen spricht man vom Peer-to-Business-Lending. Während Privatpersonen die Kredite vorwiegend für Weiterbildungen und privaten Konsum verwenden, leihen sich kleine und mittelständische Unternehmen Geld für die Ausweitung ihrer Produktionsanlagen oder die Entwicklung neuer Produkte.

Für sie stellt die Crowdfinanzierung eine Alternative zum Bankkredit dar, da sie flexibler ist und schneller abläuft. Außerdem ist diese Form der Kreditvergabe für Unternehmen mit geringerem Bürokratieaufwand verbunden als der klassische Bankkredit. Laut einem Branchenbericht von Für Gründer erhielten Selbstständige, Unternehmer und Gründer im Jahr 2016 rund 76,7 Millionen Euro über die Crowd – also etwa 15 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die bekanntesten Kreditplattformen in Deutschland sind Auxmoney, Lendico und Funding Circle. Die Plattformen prüfen die Kreditanträge der privaten und betrieblichen Kreditnehmer. Sie teilen die Kreditanträge aufgrund der Bonität der Antragsteller in eine bestimmte Risikoklasse ein und ordnen ihnen einen Zinssatz zu. Anschließend legen sie eine Laufzeit fest und stellen das Angebot dann der Crowd vor. Wenn sich dann genügend Geldgeber finden, wird der Kredit bereitgestellt.

Die Mindestinvestmentsumme für Kleinanleger liegt je nach Anbieter zwischen 25 und 100 Euro. Die Laufzeiten der Darlehen liegen zwischen 6 Monaten und 5 Jahren. Kleinanleger profitieren hierbei über die Zinsen, die der Kreditnehmer für das Darlehen zahlen muss. Kreditnehmer zahlen je nach Plattform eine Vermittlungsgebühr zwischen 0,25 und 5 Prozent. Kreditgeber zahlen ebenfalls eine Servicegebühr von 1 Prozent auf alle Zins- und Tilgungszahlungen.

Die Zinsen auf die Kredite variieren dabei je nach Bonität des Kreditnehmers. Einige Plattformen haben dafür unterschiedliche Bonitätsklassen eingeführt, in die Kreditnehmer eingeteilt werden. Die Zinsen werden meistens monatlich, in einigen Fällen auch vierteljährlich getilgt und ausgezahlt. Das Finanzierungvolumen unterscheidet sich je nach Crowdlending-Plattform und reicht von 1.000 Euro bis zu 2,5 Millionen Euro.

Crowdlending bietet Privatinvestoren gute Renditechancen, ist jedoch auch mit Risiken verbunden. Das Kernrisiko liegt darin, dass Kredite nicht fristgerecht getilgt werden oder sogar gänzlich ausfallen können. Wenn die Privatpersonen oder Unternehmen insolvent gehen, droht für Investoren der Totalausfall der Geldanlage. Bei manchen Plattformen können Sicherheiten hinterlegt werden, sodass immerhin ein Teilverlust abgedeckt ist.

Um das Risiko zu minimeren, sollten Kleinanleger ihr Vermögen nicht in ein einzelnes Crowdlending-Projekt stecken, sondern über mehrere Projekte verteilen. Zudem sollten Sie die Angebote genau prüfen. Wofür wird der Kredit verwendet? Ist eine fristgerechte Rückzahlung angesichts der Bonität des Kreditnehmers wahrscheinlich? Generell gilt: Je höher der angebotene Zinsatz, desto höher die Ausfallwahrscheinlichkeit des Kredits.

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